Medikamente im Hitzesommer: Worauf es jetzt ankommt
Von Timo Reichard, Apotheker in Niedernhausen
Dieser Sommer meint es ernst mit uns. Temperaturen über 40 Grad, tropische Nächte – und bei uns in der Apotheke merken wir das an den Fragen, die täglich am HV-Tisch landen: Darf mein Insulin in die Strandtasche? Verträgt mein Asthmaspray das Auto? Und muss ich bei der Hitze eigentlich irgendetwas an meinen Tabletten beachten?
Die wichtigste Antwort vorweg, weil sie mir wirklich am Herzen liegt: Nehmen Sie Ihre Medikamente genauso weiter ein, wie sie verordnet sind. Gerade bei Hitze ist eine gut eingestellte Therapie Ihr bester Schutz. Wer seinen Blutdrucksenker oder seine Herztabletten weglässt, weil er irgendwo gelesen hat, die seien „bei Hitze problematisch“, riskiert deutlich mehr als die Hitze selbst je könnte.
Ihr Körper arbeitet gerade auf Hochtouren
Bei großer Hitze leistet der Kreislauf Schwerstarbeit: Wir schwitzen mehr, verlieren Flüssigkeit und Salze. Wer dauerhaft Medikamente nimmt – etwa fürs Herz, den Blutdruck oder die Nieren –, dessen Körper ist an diesen Extremtagen einfach etwas mehr gefordert. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, auf sich zu achten: ausreichend trinken, Anstrengung in die kühlen Morgenstunden legen, und wenn Sie sich über mehrere Tage schlapp oder schwindelig fühlen, das beim nächsten Arztbesuch ansprechen. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt hat die Gesamttherapie im Blick und entscheidet, ob etwas angepasst werden sollte – das ist dort in den besten Händen.
Was Sie selbst tun können: regelmäßig trinken, am besten Wasser oder verdünnte Schorlen. Falls Ihnen ärztlich eine Trinkmenge vorgegeben wurde, etwa bei Herz- oder Nierenschwäche, gilt die selbstverständlich auch im Sommer.
Die Hitze macht auch den Medikamenten selbst zu schaffen
Das ist der Bereich, in dem wir Apotheker jeden Sommer die kuriosesten Dinge erleben. Die meisten Arzneimittel sind für Lagerung bis 25 Grad ausgelegt. Im geparkten Auto werden daraus schnell 60 – da hat schon manches Notfallspray seinen Dienst quittiert, ohne dass man es ihm ansieht.
Deshalb: Medikamente nie im Auto liegen lassen, auch nicht „nur kurz beim Bäcker“. Für unterwegs tut es eine kleine Kühltasche, das Medikament dabei nicht direkt aufs Kühlelement legen. Angebrochenes Insulin darf bei Zimmertemperatur bleiben, gehört aber nicht in die pralle Sonne. Zäpfchen, die geschmolzen und wieder fest geworden sind, wirken unter Umständen nicht mehr richtig. Und Wirkstoffpflaster kleben auf verschwitzter Haut schlechter – kurz prüfen, ob alles hält.
Wenn ein Medikament sich verfärbt hat, anders riecht oder aussieht: Bringen Sie es einfach vorbei. Wir schauen kostenlos drauf und sagen Ihnen ehrlich, ob es noch in Ordnung ist.
Und denken Sie an Ihre Nachbarn
Ein Punkt noch, der mir jedes Jahr wichtiger wird: Das Durstgefühl lässt im Alter nach. Gerade alleinlebende ältere Menschen trinken an heißen Tagen oft zu wenig, ohne es zu merken. Ein kurzes Klingeln bei der Nachbarin, ein Anruf bei den Eltern – das kostet nichts und kann viel verhindern.
Bei allen Fragen rund um Aufbewahrung, Haltbarkeit und den richtigen Umgang mit Ihren Medikamenten im Sommer sind wir für Sie da – in der Theisstal-Apotheke in Niedernhausen und in der Goldbach Apotheke in Eppstein.
Kommen Sie gut durch die heißen Tage.
Ihr Timo Reichard
www.theisstal-apotheke.de
