Herbst-Check für die Hausapotheke: Was raus muss und was jetzt hineingehört
Am 5. Oktober beginnen in Hessen die Herbstferien, die Nächte werden kühler, und damit startet auch in Niedernhausen die Erkältungszeit. Wer jetzt einmal zehn Minuten in den Medikamentenschrank investiert, erspart sich den Moment, in dem das Kind abends um zehn fiebert und im Schrank nur ein Fiebersaft steht, der seit dem letzten Winter offen ist. Wir von der Theisstal-Apotheke in der Bahnhofstraße haben deshalb einen kurzen Leitfaden zusammengestellt: was raus muss, was hineingehört und was im Rheingau-Taunus-Kreis mit dem Abgelaufenen passiert.
Zuerst wird ausgemistet
Das Verfallsdatum auf der Packung gilt nur für ungeöffnete Arzneimittel. Sobald eine Flasche oder Tube angebrochen ist, zählt die Aufbrauchfrist aus der Packungsbeilage, und die ist oft deutlich kürzer. Augentropfen im klassischen Fläschchen halten nach dem Öffnen in der Regel nur vier Wochen, fertig angemischte Antibiotikasäfte je nach Präparat ein bis zwei Wochen. Deshalb: Anbruchdatum mit dem Stift auf die Packung schreiben. Klingt banal, ist aber der eine Handgriff, der wirklich hilft.
Ein zweiter Blick lohnt beim Nasenspray. Abschwellende Sprays mit Xylometazolin oder Oxymetazolin sollen nicht länger als sieben Tage am Stück benutzt werden, sonst gewöhnt sich die Schleimhaut daran und schwillt ohne Spray erst recht zu. Die britische Arzneimittelbehörde hat diese Grenze im Frühjahr sogar auf fünf Tage gesenkt. Wer ein Spray findet, das seit Monaten täglich im Einsatz ist, sollte uns darauf ansprechen. Da gibt es Wege raus.
Und der Lagerort: Das Badezimmer ist ehrlicherweise der schlechteste Platz im Haus. Feuchte, warme Luft setzt Tabletten und Salben zu, ohne dass man es ihnen ansieht. Besser ist ein Schrank im Flur oder Schlafzimmer, trocken, nicht neben der Heizung und für Kinder unerreichbar.
Was jetzt hineingehört
Erwachsene erkälten sich im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr, Kinder sechs- bis achtmal. Das meiste davon lässt sich zu Hause gut überstehen, wenn Folgendes greifbar ist:
- Ein Fieberthermometer, das auch funktioniert. Batterie prüfen.
- Schmerz- und Fiebermittel mit Ibuprofen oder Paracetamol. Für Kinder als Saft oder Zäpfchen, dosiert nach Körpergewicht, nicht nach Alter. Acetylsalicylsäure (ASS) gehört bei Kindern unter zwölf Jahren nicht in die Hausapotheke.
- Ein abschwellendes Nasenspray in der passenden Stärke. Für Kinder gibt es eigene Dosierungen, für Babys reicht meist Kochsalzlösung.
- Elektrolytlösung für Magen-Darm-Infekte, gerade mit kleinen Kindern.
- Wund- und Heilsalbe, Desinfektionsspray, Pflaster in mehreren Größen, sterile Kompressen, eine Mullbinde, Pinzette und Zeckenkarte. Zecken sind bis in den Herbst unterwegs.
- Eine Kühlkompresse im Kühlschrank, nie direkt auf die Haut.
- Von Dauermedikamenten ein Vorrat für mindestens eine Woche, damit ein langes Wochenende nicht zum Problem wird.
Drei Dinge, die viele falsch machen
Cola und Salzstangen bei Durchfall: Das Hausmittel aus Kindertagen ist tatsächlich ungeeignet. Cola enthält viel zu viel Zucker und kaum Mineralstoffe, Salzstangen liefern zwar Natrium, aber kein Kalium. Kinderärzte empfehlen stattdessen eine fertige Elektrolytlösung aus der Apotheke.
Erkältungsbalsam bei Kleinkindern: Präparate mit Menthol, Campher oder Eukalyptusöl können bei Säuglingen und Kleinkindern einen Kehlkopfkrampf bis hin zum Atemstillstand auslösen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Für die Kleinen nur Produkte nehmen, die ausdrücklich für ihr Alter zugelassen sind.
Honig gegen Husten: Für größere Kinder und Erwachsene ein brauchbares Hausmittel. Für Säuglinge unter einem Jahr aber tabu, weil Honig Sporen enthalten kann, die im Darm eines Babys gefährlich werden.
Und ein vierter Klassiker, der jede Saison wiederkommt: Antibiotika helfen bei einer Erkältung nicht, weil Viren dahinterstecken. Ein Erkältungshusten dauert bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage. Das ist lästig, aber normal. Hohes Fieber, Atemnot oder Brustschmerzen sind dagegen ein Fall für die Praxis.
Abgelaufen? Im Rheingau-Taunus-Kreis nicht in die Restmülltonne
Hier unterscheidet sich der Rheingau-Taunus-Kreis von den meisten Regionen in Deutschland. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft lässt Altmedikamente nicht über den Restmüll zu. Sie gehören kostenlos zum Schadstoffmobil, immer im originalen Blister ohne die Pappverpackung.
Die Termine stehen im Abfallkalender und unter eaw-rhein
gau-taunus.de. Oder ebenso kostenfrei bei uns in der Apotheke. Was gar nicht geht: Tabletten oder Säfte in die Toilette oder den Ausguss, denn Kläranlagen filtern viele Wirkstoffe nicht heraus. Leere Blister kommen in die Gelbe Tonne, der Umkarton ins Altpapier.
Vier Nummern an die Schranktür
112 für den Notfall. 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxiszeiten.
Der Giftnotruf für Hessen unter 06131 19240, rund um die Uhr, auch wenn nur der Verdacht besteht, dass ein Kind etwas aus dem Schrank erwischt hat. Und die Nummer Ihrer Apotheke. Welche Apotheke gerade Notdienst hat, steht an jeder Apothekentür und auf aponet.de.
Unsicher, was bleiben darf?
Dann bringen Sie die Packung einfach mit. Wir schauen gemeinsam drauf, sagen Ihnen, was noch gut ist, und sortieren mit Ihnen aus, was weg muss. Das dauert am Tresen ein paar Minuten, und es ist uns ehrlich gesagt lieber, als wenn im Februar das Falsche im Schrank liegt.
Timo Reichard, Apotheker
www.theisstal-apotheke.de
