Niedernhausener Anzeiger KW 9
Was tun wir bei Schnee und Eis? Zum Winterdienst in Niedernhausen bei außergewöhnlichen Wetterlagen
Am 3. Februar 2026 kam es im gesamten Rheingau-Taunus-Kreis zu anhaltendem, teils starkem Schneefall. Auch in Niedernhausen führten die Witterungsverhältnisse zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr. Vergleichbare, wenn auch weniger folgenschwere Schneefälle traten zudem in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar auf. Derzeit verheißt die Wettervorhersage mildere Temperaturen, aber wer weiß…
Unser erstes Ziel bei winterlichem Wetter ist es, die Verkehrssicherheit im Rahmen der vorhandenen personellen und materiellen Ressourcen so weit wie möglich zu gewährleisten. Gleichzeitig bekommen wir bei extremen winterlichen Wetterlagen öfters Emails oder Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern in Niedernhausen, die mit dem Winterdienst nicht zufrieden sind. Zugegeben, am liebsten hätten wir es ja alle so: „Bei der ersten Schneeflocke flitzt der Bauhof los und räumt auch noch das letzte Fragment Schnee und Eis direkt vor meiner Haustür weg…“ So einfach ist das leider nicht! Zum besseren Verständnis dessen, was bei einer besonderen Schnee- oder Eissituation passiert, möchten wir einmal erklären, wie der Winterdienst in Niedernhausen organisiert ist, und warum es an Tagen wie dem 3. Februar manchmal so aussieht, als ob der Schnee zunächst Sieger blieb.
Wie läuft das eigentlich? Organisation des Winterdienstes
Der Winterdienst der Gemeinde Niedernhausen ist in drei Prioritätsstufen gegliedert: Priorität 1 umfasst Straßen mit Linien- und Schulbusverkehr, verkehrswichtige Gemeindestraßen mit besonderen Gefahrenstellen (z. B. Gefälle und Steigungen), Feuerwehrzufahrten sowie in Ausnahmefällen Kreis- und Landesstraßen. Unter Priorität 2 fallenGemeindestraßen mit Steigungen oder Gefällen sowie sogenannte Sammelstraßen. Prioritätsstufe 3 umfasst alle weiteren Gemeindestraßen. Die Straßen werden entsprechend dieser Reihenfolge geräumt und gestreut. Erst wenn die Flächen der jeweils höheren Priorität bearbeitet sind, folgen die nachgeordneten Bereiche.
Für den Winterdienst stehen dem Bauhof (Stand Februar 2026) 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie bis zu 9 Fahrzeuge zur Verfügung. Zu betreuen sind rund 60 Kilometer Gemeindestraßen. Daraus ergibt sich, dass bei flächendeckenden Schneefällen eine gleichzeitige Bearbeitung aller Straßen nicht möglich ist. Bei intensiven Schneelagen sind die Einsatzkräfte teils von den frühen Morgenstunden bis in den Abend hinein im Einsatz. Dennoch erfordert die Abarbeitung aller Strecken – insbesondere bei anhaltendem Schneefall – Zeit.
„Wisst ihr nicht im Voraus, dass es schneit?“ Wetterprognosen und Einsatzplanung
Können wir uns auf schwierige Wetterverhältnisse im Voraus einstellen? Die Einsatzplanung basiert auf der kontinuierlichen Beobachtung verschiedener Wetterdienste, unter anderem UBIMet sowie dem Deutschen Wetterdienst. Prognosen ermöglichen eine grundsätzliche Vorbereitung, jedoch können Intensität, Dauer und räumliche Verteilung von Niederschlägen im Einzelfall von den Vorhersagen abweichen.
Am 3. Februar wurde zunächst ein zeitlich begrenzter Schneefall am Vormittag erwartet. Tatsächlich setzte der Schneefall später ein und hielt bis in die Abendstunden an. Zudem fiel der intensive Einsatzzeitraum in den Berufsverkehr, was die Räumarbeiten zusätzlich erschwerte.
Salz ist nicht gleich Salz: Streusalz und seine Wirkung
Unter normalen Bedingungen hält der Bauhof bis zu 80 Tonnen Streusalz in Silos vor. Von dort das Salz direkt in die Streufahrzeuge gefüllt. Kleinere Mengen werden in Säcken vorgehalten, etwa für Handstreuungen an kommunalen Liegenschaften.
In den Monaten Dezember und Januar war der Winterdienst aufgrund niedriger Temperaturen mehrfach im Einsatz, wodurch die Salzvorräte stärker beansprucht wurden als in den Vorjahren. Gleichzeitig kam es bundesweit zu Lieferengpässen, da nach mehreren milden Wintern Produktionskapazitäten reduziert worden waren und die Nachfrage kurzfristig stark anstieg. Die Nachbestellung zusätzlicher Mengen im Großhandel gestaltete sich daher schwierig. In diesem Zusammenhang werden wir öfter gefragt, warum wir nicht bei hartem Winterwetter einfach in den Supermarkt gehen und zusätzliches Streusalz kaufen. Das wäre ein „Tropfen auf den kalten Stein“, denn mit der Menge Salz, die ein Einzelhandelsgeschäft vorrätig hat, lassen sich höchstens ein bis zwei Räumfahrzeuge auf einmal beladen…
Vor diesem Hintergrund war es am 3. Februar erforderlich, die vorhandenen Salzvorräte umsichtig einzusetzen.
Unabhängig von der verfügbaren Menge ist zu berücksichtigen, dass Streusalz bei starkem Schneefall erst nach dem Räumen der Schneedecke wirksam wird. Die Schmelzwirkung entfaltet sich zudem erst durch wiederholtes Befahren und/ oder Betreten der gestreuten Flächen.
Bleibt das jetzt so? Aktueller Stand
Die Gemeinde konnte zwischenzeitlich die Salzvorräte wieder auffüllen und zusätzliche Lagermöglichkeiten nutzen. Ziel ist es, handlungsfähig zu bleiben, sollte der Winter doch nochmal zuschlagen.
Der Winterdienst arbeitet bei Schneefall und Glätte kontinuierlich daran, die Verkehrssicherheit im Gemeindegebiet sicherzustellen. Aufgrund der Priorisierung und der vorhandenen Ressourcen kann jedoch nicht jede Straße gleichzeitig geräumt oder gestreut werden. Die Gemeinde bittet daher um Verständnis, dass es bei außergewöhnlichen Wetterlagen zeitweise zu Einschränkungen kommen kann.
Was können Bürgerinnen und Bürger tun?
Gerne weisen wir in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Verkehrssicherungspflicht für Grundstückseigentümer in Niedernhausen hin. Dazu gehört die „Räumpflicht“ (§10 Straßenreinigungssatzung). Danach sind Grundstückseigentümer verpflichtet, die Gehwege vor ihren Grundstücken von Schnee zu räumen. Bei Glatteis besteht die Pflicht, auf den Gehwegen „abstumpfende Mittel“ (Streusplit, Sand oder Auftaugranulat) auszubringen. Salz darf nur in geringen Mengen zum Beseitigen festgetretener Eis- und Schneereste verwendet werden.
Ansonsten hoffen wir natürlich, dass sich der Winter so langsam seinem Ende zu neigt!
Gute Nachbarschaft mit Wildschweinen: Ein paar Hinweise
Im Moment erreichen uns wieder öfter Berichte von Menschen aus Niedernhausen, die Begegnungen der „schweinischen Art“ hatten. Derzeit sind Wildschweine sehr oft außerhalb des Waldes, im Feld und sogar in der Nähe menschlicher Behausungen auf Futtersuche unterwegs.
Noch öfter als die Tiere selbst sieht man ihre Spuren: Wo eine Wiese aussieht, als sei sie mit schwerem Gerät umgegraben worden, waren wahrscheinlich Wildschweine unterwegs. Die Tiere sind Allesfresser, das Graben (in der Jägersprache spricht man von „Brechen“) im Boden dient der Suche nach Wurzeln, Insekten oder Mäusen. Als Werkzeug benutzen die Wildschweine ihre starke Schnauze – die man demnach auch als „Gebrech“ bezeichnet.
Wie alle Wildtiere meiden Wildschweine in der Regel die Begegnung mit dem Menschen. Durch ihren guten Geruchs- und Gehörsinn bemerken sie uns meist lange bevor wir sie sehen und machen sich davon. Davon gibt es eine Ausnahme, die wir zur Kenntnis nehmen sollten: In der Zeit von Februar bis Mai bekommen Wildschweine Junge. Weibliche Wildschweine („Bachen“) können derzeit 3-10 Jungtiere bei sich haben, die beim Wildschwein übrigens nicht Ferkel, sondern „Frischlinge“ heißen. Wenn die Bache einen Menschen oder Hund als Bedrohung für ihre Frischlinge sieht, kann sie unter Umständen angreifen. Da Wildschweine sehr scharfe Zähne haben, endet so ein Angriff im schlimmsten Falle mit schweren Verletzungen. Eine Bache kann bis zu 80 Kilo schwer werden, es ist also auch „ordentlich Wumms dahinter“ – mit so einem Tier ist nicht zu spaßen!
Wildschwein-Angriffe auf Menschen oder Hunde sind selten, am besten lassen wir es erst gar nicht so weit kommen! In der Zeit, in der Wildschweine ihre Jungen bei sich haben (sie fällt in die so genannte „Brut- und Setzzeit“ von März bis Juli) sollten wir im Wald auf den Wegen bleiben und Hunde an der Leine führen. Wildschweine sind bevorzugt in der Dämmerung aktiv und halten sich tagsüber gerne in dichtem Bewuchs (Neuanpflanzungen, Gebüsche) auf. Solche Bereiche sollten besser nicht betreten werden! Das dient unserem eigenen Schutz, aber auch dem Schutz der Wildtiere.
Begegnungen mit Wildschweinen außerhalb des Waldes, zum Beispiel auf dem Feld und in Gärten kommen immer öfter vor. Aus Oberjosbach berichtet man uns dieser Tage zum Beispiel von Wildschweinen, die am Pfingstweidweg unterwegs sind. Auch hier empfehlen wir, aufmerksam zu bleiben und Hunde möglichst an der Leine zu führen. Wenn man beim abendlichen Verdauungsspaziergang auf Wildschweine trifft, sollte man auf jeden Fall Abstand halten und sich ruhig, aber zügig zurückziehen.
Die Bestände der „Schwarzkittel“ haben sich in den letzten Jahren stetig nach oben entwickelt. Genaue Zahlen lassen sich nicht ermitteln, die von Jägern erlegten Tiere zeigen aber eine Tendenz. Im Jagdjahr 2023/24 wurden in Hessen 61.313 Wildschweine erlegt, 2.027 Tiere starben bei Wildunfällen (Quelle: Hessisches Ministerium für Landwirtschaft). In großer Zahl vorkommende Wildschweine verursachen schwere Schäden in der Landwirtschaft, weil sie Anbauflächen umwühlen und abfressen. Leider sind die Tiere auch Träger ansteckender Krankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die auch auf Hausschweine übertragbar sind. Daher wird in unserer Region derzeit versucht, die Wildschweinbestände durch verstärkte Bejagung zu verkleinern.
In jedem Fall bitten wir alle, die in Niedernhausen in Wald und Feld unterwegs sind, um rücksichtsvolles Verhalten – damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt!
Veranstaltungshinweis: Info-Veranstaltung mit dem Kompetenzzentrum Pflege Rheingau-Taunus
Die Gemeindepflege in Niedernhausen lädt in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Pflege des Rheingau-Taunus-Kreises zur Informationsveranstaltung „Pflegegrad: Gut informiert – Orientierung im Leistungsdschungel“ ein.
Wo: Im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde in Niedernhausen, Fritz-Gontermann-Straße 4.
Wann: Mittwoch, den 25.03.2026 von 17:00 bis 19:00 Uhr.
Von den Referentinnen wird Basiswissen über die Leistungen der Pflegeversicherung, von der Antragstellung für einen Pflegegrad und den Besuch des Medizinischen Dienstes bis zu den Erläuterungen der verschiedenen Pflegeleistungen, vermittelt. Zum Abschluss ist Zeit für Fragen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
