Weniger Bürokratie, besserer Service: Rheingau-Taunus-Kreis bündelt Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
- Kreis tritt dem bundesweiten kommunalen Netzwerk GovTech Kommunal e.V. bei
- Zugang zu Schulungen, Praxisbegleitung und einer gemeinsamen Softwareplattform für Kommunen
- Landrat Sandro Zehner: „Was einmal gut gebaut ist, muss nicht überall neu erfunden werden“
Der Rheingau-Taunus-Kreis wird Mitglied im Verein GovTech Kommunal e.V. Der Kreistag hat dem Beitritt zugestimmt. Der Verein ist im Dezember 2025 gegründet worden und bündelt erstmals bundesweit, was Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Digitalisierung brauchen. Er ist in kommunaler Trägerschaft, gesteuert wird er von den Mitgliedskommunen selbst. Für den Kreis geht es dabei nicht um ein weiteres Netzwerk, sondern um Tempo: Eigene Digitalvorhaben – vor allem KI-gestützte Verwaltungsprozesse – sollen schneller und mit weniger eigenem Aufwand umgesetzt werden. Der Jahresbeitrag beträgt für den Kreis 8.000 Euro.
Was der Kreis vom Netzwerk erwartet
Das Angebot des Vereins besteht aus drei Bausteinen:
- einem praxisorientierten Lernprogramm zu Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz, Cloud und Cybersicherheit
- der Begleitung bei der Umsetzung konkreter Technologielösungen
- sowie dem Zugang zu einer gemeinsamen digitalen Plattform, über die Software zentral und rechtssicher bereitgestellt werden kann.
Weil der Verein für seine Mitglieder als sogenannte Inhouse-fähige Einheit gilt, kann der Kreis ihn ohne gesondertes Vergabeverfahren beauftragen. Das spart Zeit und Verwaltungsaufwand.
Landrat Sandro Zehner erklärt: „Als Pilotlandkreis des Bundesdigitalministeriums arbeiten wir mit an der Blaupause für die Verwaltungsdigitalisierung. Ich bin davon überzeugt, dass wir gute und moderne Verwaltung nur gemeinsam gestalten können. Das spart Zeit, Geld und sichert durchgängige Digitalisierung ohne Brüche und komplizierte Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Behörden. Der Verein GovTech Kommunal e.V. geht genau in diese Richtung: Bundesweit, aber gemeinsam mit den Kommunen, es werden Lernangebote geschaffen, Vernetzung ermöglicht und Tools kann man in Zukunft einmal prüfen und ausschreiben, statt 11.000-mal für jede Kommune einzeln.“
Hessen ist ganz vorne mit dabei
GovTech Kommunal e.V. steht nicht für sich allein. Der Verein ist der kommunale Arm von GovTech Deutschland e.V., einer gemeinsamen Initiative von Bundesregierung, Bundesländern und Technologiebranche. Der Kreis hängt sich damit an eine Struktur an, die von der Kommune bis zum Bund durchgezogen ist: Was an Standards und Lösungen auf Bundes- und Landesebene entsteht, kommt über den Verein unmittelbar in den Verwaltungen vor Ort an – und die Erfahrungen aus der täglichen Praxis fließen umgekehrt zurück.
Hessen hat in diesem Gefüge ein besonderes Gewicht. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus ist im Mai 2026 einstimmig in das Präsidium von GovTech Deutschland gewählt worden und besetzt einen von fünf Sitzen. Das Land gehört seit 2021 zu den Gründungsmitgliedern und erprobt als bundesweit erstes Pilotland eine flächendeckende Verwaltungsdigitalisierung. Für die hessischen Kommunen bedeutet das kurze Wege: Ihre Anliegen werden dort mitverhandelt, wo über gemeinsame Standards entschieden wird.
Anschluss an den Deutschland-Stack
Die gemeinsame Plattform des Vereins ist kein Sonderweg, sondern zahlt auf das größte Digitalvorhaben des Bundes ein: den Deutschland-Stack. Er ist die nationale souveräne Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland und umfasst die technische Basis ebenso wie die Standards und Regeln, nach denen Bund, Länder und Kommunen künftig zusammenarbeiten. Der IT-Planungsrat hat sich im März 2026 auf einen gemeinsamen Plattformkern und verbindliche technische Standards verständigt, bis 2028 entstehen daraus schrittweise konkrete Angebote für Bund, Länder und Kommunen.
Was Bürgerinnen und Bürger schon heute davon haben
Digitalisierung ist im Kreis kein Selbstzweck, sondern soll Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger schneller und einfacher zugänglich machen. Beim digitalen Bauantrag war der Rheingau-Taunus-Kreis als erster Flächenkreis in Hessen im Echtbetrieb. Seit diesem Sommer kann auch die Auskunft aus dem Baulastenverzeichnis digital beantragt werden.
Der Pflichtumtausch des Führerscheins läuft komplett online und spart einen Behördengang. Über das Projekt „Smart Traffic Management“, das das Land Hessen mit 2,25 Millionen Euro fördert, werden Fahrgastzahlen in den Bussen der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV) in Echtzeit erhoben, damit Fahrgäste wissen, wie voll ihr Bus ist und ob er wirklich pünktlich kommt. Wie wichtig ein solches Digitalisierungs-Projekt ist, zeigte sich Ende Juni: Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger und Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus ließen sich das System vor Ort in Taunusstein vorführen.
Künstliche Intelligenz mit klaren Regeln
Beim Thema Künstliche Intelligenz setzt der Kreis auf Wissen und Verantwortung. Mit dem Projekt „KI-Kompass RTK“ baut die Kreisverwaltung eine gemeinsame Grundlage für den Einsatz von KI auf. Über eine zentrale Lernplattform geht es um Chancen und Risiken, um ethische Leitlinien und um die Anforderungen der europäischen KI-Verordnung, die Behörden ausdrücklich zur Schulung ihrer Mitarbeitenden verpflichtet. Ziel ist, unterschiedliche Wissensstände auszugleichen und rechtliche Unsicherheiten abzubauen. Der Kreistag hat sich im Februar 2026 mit dem Einsatz von KI in der Kreisverwaltung befasst und dabei Anwendungsbereiche und Rahmenbedingungen beraten. Seit einem Jahr gibt es eine Arbeitsgruppe KI, in der sich Landkreis und kreisangehörige Kommunen über Erfahrungen und Best Practices austauschen und gemeinsam Projekte nach vorne bringen, von denen alle profitieren.
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