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Erst 38 Grad, jetzt Regenjacke: So kommen Sie gut durch den Wetterwechsel
Apotheker Timo Reichard von der Theisstal-Apotheke über müde Tage, die ersten Schniefnasen und einen Blick in die Hausapotheke, der sich gerade jetzt lohnt.
Mitte August zeigte das Thermometer bei uns in der Region noch 38 Grad. Zwei Wochen später nieselt es, und bei uns in der Apotheke kramen die ersten Kunden nach einem Taschentuch. Dieser Wechsel steckt vielen in den Knochen. Und das ist keine Einbildung.
Wenn der Kreislauf umschalten muss
Bei einer Befragung des Deutschen Wetterdienstes gab etwa jeder Zweite an, dass ihm das Wetter gesundheitlich zu schaffen macht. Am häufigsten genannt: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit. Der Körper muss sich nach Wochen im Sommermodus erst umstellen. Blutgefäße, die bei Hitze weit gestellt waren, ziehen sich bei kühleren Temperaturen wieder zusammen. Wer einen empfindlichen Kreislauf hat oder Blutdruckmedikamente nimmt, spürt das oft deutlich. Werte, die im Hochsommer niedrig waren, klettern jetzt bei manchen wieder.
Mein Rat: Messen Sie in den nächsten Wochen öfter mal Ihren Blutdruck, oder kommen Sie dafür kurz bei uns vorbei. Sprechen Sie aber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie an einer Dosierung etwas ändern. Wer morgens öfter Sterne sieht, startet besser langsam in den Tag: erst aufsetzen, einen Moment sitzen bleiben, dann aufstehen. Dem Kreislauf selbst hilft erstaunlich Einfaches. Raus an die Luft, auch bei Nieselregen – ein flotter Spaziergang trainiert die Gefäße besser als jede Tablette. Wechselduschen wirken ähnlich, kosten nichts und sind schneller vorbei, als man denkt. Und trinken Sie weiter genug. Bei kühlem Wetter vergisst man das leicht.
Machen Kälte und Nässe wirklich krank?
Das andere große Thema bei uns sind gerade die ersten Erkältungen. „Zieh dich warm an, sonst erkältest du dich“ – der Satz hält sich hartnäckig. Ganz falsch ist er nicht, ganz richtig aber auch nicht. Krank machen uns Viren, nicht die Kälte. Nur haben die Viren es jetzt leichter: Auf ausgekühlten Nasenschleimhäuten arbeitet die Abwehr träger, das haben Forscher der Universität Yale schon 2015 gezeigt. Und weil wir uns wieder mehr drinnen aufhalten, reichen wir die Erreger fleißig weiter. Zwei bis vier Erkältungen im Jahr sind bei Erwachsenen übrigens normal, bei Kindern sechs bis acht. Falls bei Ihnen also gefühlt „ständig etwas im Umlauf“ ist: Das täuscht nicht, das ist so.
Was schützt wirklich? Nichts Spektakuläres: Hände waschen, regelmäßig lüften, ausreichend schlafen, in Bewegung bleiben. Klingt banal, wird aber ständig unterschätzt. Ein Mittel, das Erkältungen sicher verhindert, gibt es dagegen nicht. Das sage ich Ihnen lieber ehrlich, bevor Sie Geld für Präparate ausgeben, die mehr versprechen, als sie halten können. Wenn es Sie erwischt hat, beraten wir Sie gern, was Ihre Beschwerden lindert und was zu Ihren anderen Medikamenten passt. Noch ein Wort zum Husten: Der darf nach einer Erkältung zwei bis drei Wochen bleiben, so lästig das ist. Dauert er länger oder kommt Fieber dazu, gehört das in ärztliche Hände.
Der Blick in die Hausapotheke lohnt sich jetzt
Wo wir schon beim Vorbereiten sind: Werfen Sie in den nächsten Tagen einen Blick in Ihre Hausapotheke. Lieber jetzt als nachts um elf, wenn das Fieberthermometer streikt. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände empfiehlt, den Bestand einmal im Jahr durchzusehen. Dieses Jahr gibt es dafür einen Grund mehr, an den kaum jemand denkt: Der Hitzesommer kann Arzneimitteln zugesetzt haben. Ein Zäpfchen, das im August im Badezimmer geschmolzen und wieder fest geworden ist, wirkt nicht mehr zuverlässig. Dasselbe gilt für Mittel, die länger im heißen Auto lagen.
Schauen Sie auf die Verfallsdaten. Die sind keine Empfehlung, sondern eine Grenze – anders als beim Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem Joghurt. Abgelaufenes gehört entsorgt bei uns in der Apotheke, bitte nicht in die Toilette, das belastet nur das Abwasser. Angebrochene Säfte und Tropfen halten oft deutlich kürzer, als die Packung vermuten lässt. Was hineingehört? Ein Fieberthermometer, das funktioniert, ein Schmerzmittel, das Sie vertragen, abschwellendes Nasenspray, etwas für den Hals, Pflaster und Verbandszeug. Der Rest hängt von Ihnen und Ihrer Familie ab. Wenn Sie unsicher sind, bringen Sie Ihre Hausapotheke einfach mit – wir schauen gemeinsam drauf, das kostet nichts.
Der Herbst kommt so oder so. Man kann ihm aber deutlich gelassener entgegensehen, wenn der Kreislauf in Schwung ist und zu Hause alles griffbereit liegt. Bei Fragen finden Sie uns in der Bahnhofstraße 25 in Niedernhausen, unsere Goldbach Apotheke in der Hauptstraße 67 in Eppstein. Wir nehmen uns Zeit für Sie.
Ihr Timo Reichard
